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„Wir fühlen uns nicht wie in Berlin hinter der Mauer“

ES-SIRNAU: Anwohner sind froh über die Lärmschutzwand entlang der Bundesstraße 10 – Am Aussehen stört sich keiner


Quelle: Artikel vom 23.06.2015 © Eßlinger Zeitung
Von Peter Dietrich

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„Als ich hergezogen bin, war die Lärmschutzwand schon da“, sagt Michael Reichert. „Ohne wäre ich bestimmt nicht hergezogen.“ Nun wohnt er im Esslinger Stadtteil Sirnau in der ersten Reihe hinter der Bundesstraße 10, kann aber dennoch hinterm Haus im Garten sitzen. Auch die anderen befragten Sirnauer sind froh über die Lärmreduzierung. Jeder nimmt den Unterschied wahr, ohne Ausnahme.
„Sonntags ist es am besten, da gibt es keine Lastwagen“, sagt Michael Reichert. Früher hat er in der Innenstadt unterhalb des Ebershaldenfriedhofs gewohnt. „Dort war es mucksmäuschenstill.“ Dann wohnte er oben am Hang und war überrascht, wie laut es dort war: „Dort hört man jede S-Bahn.“ Die Lärmbelästigung in Sirnau sei in etwa vergleichbar, sagt Reichert. Nachts hält er die Fenster geschlossen, wie er es in der Hanglage auch tat. „Aber hinter dem Haus kann man ganz gemütlich im Garten sitzen, das sagen auch meine Gäste.“ Viel mehr stören ihn die Flugzeuge und das aus seiner Sicht kurze und löcherige Nachtflugverbot. Er vermutet, dass durch die Wand die Autoabgase mehr zur Neckarseite ziehen. Ob die Wand zuwachsen wird – da ist er skeptisch: „Denn die Stadt schneidet zurück.“

„Es ist besser geworden“

Leyla Özdemir ist vor einem halben Jahr nach Sirnau gezogen, ebenfalls in die erste Reihe hinter der B 10. Hätte sie sich auch ohne die Lärmschutzwand für den Stadtteil entschieden? Ihre Antwort ist eindeutig: „Nein.“ Die Lastwagen höre man dennoch. Ihre Kinder hatten vor dem Herzug Befürchtungen, es sei zu laut. Nun hätten sie sich daran gewöhnt, ließen die Fenster zu und beschwerten sich nicht mehr. Cuma Yigit, die häufig zu Besuch kommt, kennt den Unterschied zwischen früher und jetzt. „Es ist besser geworden, es ist in Ordnung.“
„Ich bin hier hergezogen, während die Mauer gebautwurde“, sagt Stefanie Messina. Sie wohnt ein wenig weiter hinten im Bussardweg. Auch sie glaubt, dass die Lärmschutzwand eine Entlastung bringt. „Ich würde die Kinder von Sirnau beauftragen, die Wand anzumalen, wie in der Unterführung.“ Ihr Ehemann Daniel Messina bestätigt: „Es ist viel ruhiger geworden.“ Das liege nicht nur an der Mauer, sondern auch am Flüsterasphalt und am von 100 auf 80 Kilometer pro Stunde reduzierten Tempo. „Das wirkt alles zusammen.“ Die Mauer könne ruhig noch weiter bis zur Brücke gehen, sagt er. Und er fragt augenzwinkernd, ob es auch einen Schirm gegen Fluglärm geben könne?
„Es geht natürlich immer besser, aber ich bin sehr zufrieden“, sagt die Nachbarin Jasmin Keminer. Sie ist am Nachmittag zuhause und viel im Garten. Die Lärmschutzwand sei auch „kein absoluter Schandfleck“, sie sei zum Glück nicht mit Graffiti besudelt. Am liebsten hätte sie die Wand aber in Gelb gehabt. „Passend zur Farbe unseres Hauses.“ Aber Grün mit Pflanzen gehe auch.
„Es ist auf jeden Fall ruhiger geworden“, sagt Lydia Maier. „Wir fühlen uns nicht wie in Berlin hinter der Mauer. Die Wand wächst ja zu, man muss halt warten können.“ Ingeborg Mender findet ebenfalls, dass der Bau der Mauer nicht umsonst war. Vom Anmalen durch Kinder hält sie aber nichts, denn das würde nach ihrer Ansicht die Hemmschwelle für Besudelungen senken.
Bei den Gartenfreunden Untere Ebene Esslingen-Sirnau ist die Stimmungslage ebenfalls eindeutig. „Es ist ruhiger geworden“, sagt Frank Hirt. „Früher ging es immer jmmm, jmmm, jmmm.“ Die Ruhe, die sie gebracht hat, ist ihm wichtiger als das Aussehen der Lärmschutzwand. „Die bleibt nicht grau, da wachsen mit der Zeit Pflanzen hoch – ich hoffe es zumindest.“ Früher sei es schon laut gewesen, sagt auch Francesco Tedesco. Jetzt höre er die Autos nicht mehr, und auch der Anblick störe ihn im Garten nicht. Auch für Fatmir Grosic macht sich die Lärmschutzwand deutlich bemerkbar: „Es ist sehr angenehm. Die Jungs haben einen guten Job gemacht.“


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