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Bestand des kleinen Stadtteils einst auf der Kippe - Umgebende Straßen führen zur Insellage für die 850 Einwohner


Quelle: Esslinger Zeitung - 26.05.2008
Von Elisabeth Schaal

„Wir konzentrieren uns mit unserer Arbeit darauf, die Lebensqualität der Einwohner zu erhalten und zu verbessern. Auch ist uns wichtig, dass die Siedlung weiter wahrgenommen wird und man in Zusammenhang mit Sirnau nicht nur auf das Gewerbegebiet schaut“, sagt die Bürgerausschuss-Vorsitzende Ursula Frantz. Die Entwicklungsmöglichkeiten des 75 Jahre alten, rund 850 Einwohner zählenden Stadtteils sind eng begrenzt. Ausschlaggebend dafür waren Ereignisse, die drei Jahrzehnte nach dem Bau der „Erwerbslosenrandsiedlung“ im Erbbaurecht in den 1930er-Jahren ihren Anfang genommen hatten.Ende 1952 wurde die B 10 auf dem Neckardamm als zweispurige Bundesstraße für den Verkehr freigegeben. Der wirtschaftliche Aufschwung des Mittleren Neckarraums führte zum Bau des letzten Teilstücks des Neckarkanals von Stuttgart nach Plochingen, die Eröffnung wurde im Juli 1968 mit großem Pomp gefeiert. Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre kam dann die Kreisstraße 1215 entlang des Berkheimer Walds als Umgehungs- und Entlastungsstraße hinzu. Über sie wurde der Verkehr während des vierspurigen Ausbaus der B 10 samt den dazugehörigen Brückenbauwerken umgeleitet. Umgeben von Straßen, kam der Stadtteil zu seiner Insellage.

Baustopp eingelegt

Der damals auch für Verkehr zuständige Minister Weiser hatte auch Pläne, die B 10 sechsspurig auszubauen. „Sirnau wäre dann zu zwei Dritteln weggekommen“, sagt Frank Eberhard Scholz, Leiter des städtischen Stadtplanungs- und Stadtmessungsamtes. Solche Pläne schlummerten bis heute noch in einer Schublade, doch „ich glaube nicht, dass ein solcher Ausbau im Abschnitt Esslingen möglich ist“. Dagegen könne man über einen Tunnel ja mal nachdenken. Scholz: „Damit bekäme man den gesamten Lärm im Neckartal in den Griff.“

Während eine unterirdische Röhre wohl Vision bleibt, war der weitere B-10-Ausbau seinerzeit wohl gar nicht so abwegig. Deshalb und auch, weil 1970 der Vorschlag der Stadtverwaltung auf dem Tisch lag, Sir­nau in ein reines Industriegebiet umzuwandeln und die Einwohner umzusiedeln, wurde ein Baustopp verhängt. Rund zehn Jahre dauerte der Kampf um Sein oder Nichtsein, bevor entschieden war, dass die Siedlung nicht von der Landkarte verschwindet. Es gab neue Erbbaurechtsverträge und ein revidierter Bebauungsplan ermöglichte die Modernisierung der Häuser, die nicht mehr dem modernen Standard genügten. „Sirnau konnte sein ganz eigentümliches Aussehen bewahren“, formulierte Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht kürzlich zum 75-jährigen Jubiläum.

Für die Wohnsiedlung war erst fünf Jahre vor Baubeginn die Voraussetzung geschaffen worden: Erst im Februar 1928 war Sirnau nach generationenlangem Hickhack nach Esslingen eingemeindet worden. „Esslingen musste an Deizisau als Entschädigung einen bestimmten Geldbetrag bezahlen und der Gemeinde zur Arrondierung ihres Gebietes einige Grundstücke abtreten. Erst 1961 wurden die jährlichen Raten durch eine einmalige Zahlung von 500 000 Mark endgültig abgelöst“, weiß Diplom-Archivarin Ursula Kümmel vom Stadtarchiv. „Ein gutes Geschäft für Esslingen“, kommentiert Bürgerausschuss-Ehrenvorsitzender Walter Bräuninger mit Blick auf das heutige Sirnauer Gewerbegebiet. Nicht zuletzt die Sirnauer hatten übrigens die dort in den Riederäckern von der Landkreisverwaltung geplante Müllverbrennungsanlage mit massiven Protesten und Aktionen verhindert: Nach einer gut und gerne zwei Jahrzehnte lang dauernden, immer wieder aufflammenden Diskussion kam Mitte der 90er-Jahre das endgültige Aus für den Müllofen.

Grünzäsur bewahren

Wichtig ist dem Bürgerausschuss, dass die Grünzäsur zwischen dem Gewerbegebiet und der Siedlung erhalten bleibt. „Es gibt nichts Schriftliches, dass es ewig landwirtschaftliches Gebiet bleibt. Die Begehrlichkeiten sind groß, meine Befürchtungen, dass sich das ändern könnte, noch größer“, sagt Walter Bräuninger, der das Hofgut Sirnau in dritter Generation von der Stadt gepachtet hat. Mit der Auffahrt zur Dieter-Roser-Brücke sei eine Grenze erreicht, die baulich nicht überschritten werde, sagt Scholz mit Hinweis auf den bestehenden Flächennutzungsplan, der landwirtschaftliches Gebiet ausweist. Er muss aber einräumen, dass man „einen Flächennutzungsplan mit politischen Beschlüssen prinzipiell ändern kann“. Real sei kein Projekt geplant, aber „vor fünf Jahren hätte man auch noch Wetten abgeschlossen, dass der Platz, auf dem jetzt das Möbelhaus Rieger entsteht, frei bleibt“.

Dass der Stadtteil seit vielen Jahren keinen Laden mehr hat, bedauert der Bürgerausschuss und hegt die Hoffnung, dass das Problem mit Verkaufsfahrzeugen gelöst werden könnte. Dass ein Jugendtreff - vielleicht in einem der Lokale - eingerichtet wird und dass die Busse der Linie 104 (Omnibusbahnhof - Deizisau) gerade auch im Interesse Jugendlicher häufiger verkehren sollten sind ebenfalls Punkte, über die man sich Gedanken macht.

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