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Der Frühsommer ist die Hauptarbeitszeit für Imker - Manfred Gschwendtner freut sich drauf


Quelle: Esslinger Zeitung - 27.05.2008
Von Annegret Jacobs

Imker Manfred Gschwendter steht vor seinen Bienenkästen im Tierpark Nymphaea auf der Neckarinsel und betrachtet das Geschwirre um sich herum. Es ist kurz nach 18 Uhr, doch für seine Bienen bedeutet das noch lange keinen Feierabend. „Die fliegen noch bis Sonnenuntergang aus, um Nektar und Blütenpollen zu sammeln“, sagt der Sirnauer und deutet auf die schmalen Schlitze an den Kästen, an denen gerade eine Art geflügelte Stoßzeit stattfindet. Endlich ist das Wetter danach: Der April hat ihn, und vor allen Dingen seine Bienen, viel Geduld gekostet: Lange Zeit war es zu kalt, weswegen sich die Obstblüte verspätete und dann kam auch noch der Dauerregen dazu. „Bienen fliegen nicht bei Regen, das ist ein Urinstinkt, denn wenn sie ein Tropfen trifft, stürzen sie ab.“ An diesem Abend aber fliegen seine Bienen, als ob nie ein Regentropfen ihre Stimmung getrübt hätte. Die Luft brummt geradezu vom Flügelschlag der ungefähr 750 000 Tiere, die der 37-Jährige in seinen 15 Kästen hält.

Imkerei mehr als nur ein Hobby

Vor 13 Jahren hat er bei einem Bekannten zum ersten Mal einen Blick in einen Bienenstock geworfen. Seitdem lässt ihn die Faszination für diese Tiere nicht mehr los. „Imkern ist nie Routine“, beschreibt er seine Begeisterung. Er ist dabei einer der jüngsten Vertreter eines „Altherrenhobbys“. Obwohl es ihn an sich wenig stört, bei Imkertreffen kaum auf Gleichaltrige zu stoßen, bereitet ihm die Altersstruktur unter den Imkern dennoch Sorgen. Denn Gschwendtner sieht in seinem Hobby weit mehr als nur einen netten Zeitvertreib. „Wenn es weniger Bienen gibt, werden weniger Blüten bestäubt. 80 Prozent der Bestäubung erfolgt durch die Tiere“, rechnet er vor. „Da geht es um mehr als die Kirschen im eigenen Garten, die ohne Bestäubung nicht mehr reifen können.“ Bienen seien für die gesamte Landwirtschaft wichtig, angefangen vom Rapsanbau bis zu den Obstbaumplantagen. Deswegen versucht er in seinem Imkergarten in der Nymphaea mehr Menschen für die Imkerei zu begeistern, macht publikumswirksame Aktionen wie öffentliches Honigschleudern. Mehrere Interessierte hat er so in den vergangenen Jahren für seine Leidenschaft gewinnen können. Ihnen bringt er nun das Handwerk peu à peu bei. Dass es bald keine Imker mehr geben könnte, das ist seine große Sorge.

Keine Schutzkleidung

Doch jetzt im Frühsommer muss er sich erstmal darum kümmern, dass ihm seine Völker nicht aus dem Stock ausbrechen und ausschwärmen. Gschwendtner runzelt die Stirn. Eines seiner Völker verhalte sich seit kurzem verdächtig aggressiv. „Die sind mir ein bisschen zu grätig, da ist was im Busch“, murmelt er vor sich hin. Ein Volk beginne immer dann zu Schwärmen, wenn etwas nicht in Ordnung sei: wenn der Stock zu eng wird oder wenn es mit seiner Königin nicht mehr zufrieden ist. Während Gschwendtner doziert, greift er zu seinem Räucherkännchen und nähert sich langsam den Stöcken. Immer wieder betätigt er dabei den in die Kanne integrierten Blasebalg. Daraufhin entweicht jedesmal ein Schwall von Rauch aus verbrannten Tannennadeln. Das provoziere eine weitere Instinktreaktion der Bienen, nämlich die Flucht. „Dann glauben sie, ihr Stock brenne.“ Wodurch Gschwendtner stichfreien Durchgang zu den Kästen hat.

Schutzkleidung trägt der Betriebsschlosser nicht. Das sei ihm im Sommer viel zu heiß und außerdem würden die Leute, die an seinem Garten in der Nymphaea vorbeispazieren, dann glauben, dass der Umgang mit Bienen gefährlich sei. „Ist er aber nicht, wenn man einige Regeln beachtet.“ Langsam solle man sich bewegen und am besten keine schwarzen Haare haben. „Ein weiterer Urinstinkt, manchmal verwechseln die Bienen nämlich Leute mit dunklen Haaren mit einem Bären und glauben, man wolle an den Honig, ihren Wintervorrat“, sagt er und streicht sich grinsend über sein nicht mehr ganz volles, blondes Haar.

Behutsam öffnet er die Bruträume mehrerer Kästen, bis er in einem fündig wird. „Hier ist der Beweis, dass dieses Volk schwärmen will“, sagt er und untersucht das schwirrende Dunkel auf den Waben eingehender. In unregelmäßigen Abständen erheben sich einige der mit Wachs verkapselten Zellen wie eine Wucherung über die anderen. In diesen vergrößerten Zellen ziehen die Arbeiterinnen mit Gelee Royale, einem speziellen Futtersaft, potenzielle neue Königinnen heran. Gschwendtner zieht ein kleines Messer aus der Tasche, schlitzt die betroffenen Kammern auf und holt die noch milchig-weiß schimmernden Larven heraus. Hätte er nur einige Tage gewartet, dann wäre ihm nach dem Schlüpfen der neuen, jungen Königin unter Umständen die alte mit drei Vierteln dieses Volkes auf der Suche nach einem neuen Stock ausgeflogen. Das will Gschwendtner vermeiden und wird von nun an ein wachsames Auge auf dieses Volk haben. Denn wenn jemand eine neue Königin einsetzt, dann er, und zwar eine, die er selbst gezüchtet hat. „Ich wäre ja schön blöd, wenn ich mir durch eine aufsässige Königin noch ein aufsässiges Volk heranziehen würde.“

Unverkennbarer Geschmack

Dieses Jahr plant er das erste Mal Anfang Juni zu Schleudern. Das ist spät, im vergangenen Jahr habe er um diese Zeit schon zum zweiten Mal geschleudert. Besonders betrübt ist Gschwendtner darüber dennoch nicht. So ist das halt mit der Natur. Und wer weiß, vielleicht schmeckt der Honig aus dem geballten Nektarkonzentrat der Blüten von April bis Juni ja ganz besonders lecker? „Der Honig von den großen Firmen schmeckt doch jedes Jahr gleich“, urteilt er. Die Qualität dieser Honige sei zwar einwandfrei, doch er hält wenig vom genormten Geschmack der aus vielen Regionen zusammengemischten Honige der großen Hersteller. „Der Honig von den kleinen lokalen Imkern, der schmeckt jedes Jahr anders. Die Blüten des Standortes und die Woche, in der geschleudert wird, gibt dem Honig jedes Imkers seinen einzigartigen Geschmack“, betont er.

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