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ES-SIRNAU: Frank Durchdenwald ist neuer Abteilungskommandant der Feuerwehr und hat mit Martin Tittel und Thomas Reif zwei Stellvertreter


Von Elisabeth Schaal
Quelle: Artikel vom 30.09.2014 © Eßlinger Zeitung

  • Feuerwehr

„Wir haben ein hochtechnisches Hobby“, sagt Thomas Reif schmunzelnd. Aus dem Mund eines ehrenamtlichen Feuerwehrmannes ist das Wort Hobby natürlich ganz eindeutig tiefgestapelt. Der stellvertretende Abteilungskommandant in Sirnau will damit lediglich verdeutlichen, wie sehr das Feuerwehrwesen heute – neben dem Einsatz der Rettungskräfte – von der Technik geprägt ist. Zumal technische Hilfeleistungen mittlerweile zu den häufigsten Aufgaben gehören, die an eine Feuerwehr im Alltag gestellt werden. Dazu gehört, Verunglückte aus demolierten Fahrzeugen zu befreien, nach Unwettern Keller auszupumpen und Bäume von der Straße zu räumen oder ausgelaufenes Öl abzustreuen. Großbrände kommen im Zeitalter von Rauchmeldern, automatischen Brandmeldern und vorbeugendem Brandschutz nur noch selten vor. „Vielleicht einmal jährlich“, sagt Sirnaus langjähriger Abteilungskommandant Wolfgang Sauer und erinnert an den Brand im Esslinger Berberdorf im Januar 2010 und an das Großfeuer bei der Entsorgungsfirma Scherrieble im vergangenen März. Zwischen zehn und 15 Mal pro Jahr rücke Esslingens mit 15 Aktiven kleinste Wehr aus, schätzt Sauer im Rückblick. Seit drei Jahrzehnten gehört er dazu, die letzten 17 als Kommandant.

Fortbildung wird großgeschrieben

Zu seinem Nachfolger gewählt haben die Sirnauer Wehrmänner vor einigen Monaten aus ihren Reihen Frank Durchdenwald. „Das war schwere Arbeit, ihn und Thomas Reif zu kriegen“, gesteht Sauer schmunzelnd. Martin Tittel bleibt weiterhin stellvertretender Kommandant. Dass die Verantwortung für die Abteilung nun auf drei Schultern statt wie bisher auf zwei Schultern verteilt sei, bedeute für das beruflich stark eingespannte Führungstrio eine gewisse Entlastung: „Bei der Feuerwehr wird einem ganz schön was abverlangt“, spricht Sauer aus langjähriger Erfahrung. „Die Familie muss hinter einem stehen“, betont Durchdenwald, sonst sei ein solches verantwortungsvolles Engagement nicht zu leisten. Denn neben nicht zu planenden Einsätzen stehen zudem zweimal monatlich Dienstabende mit Theorie und Praxis auf dem Plan. Denn eine professionelle Aus- und ständige Weiterbildung ist unerlässlich. Mit dem bekannten „Wasser marsch“ ist es bei einem Feuer längst nicht mehr getan. Auch die Ehrenamtlichen müssen Bescheid wissen über Atemgifte, darauf achten, dass Löschwasser mit Augenmaß verbraucht wird und sich die Wasserschäden nur im unvermeidlichen Bereich bewegen. „Dass wir mit Thomas Reif einen eigenen Ausbilder in unseren Reihen haben, ist für unsere Abteilung ein Riesenvorteil“, unterstreicht Durchdenwald. Das kommt auch den beiden Sirnauer Jungfeuerwehrleuten zugute. Denn Reif ist kreisweit Ausbilder für den Nachwuchs. Er weiß, dass vor allem an Atemschutzträger hohe Anforderungen gestellt werden: „Das ist immer mehr geworden.“ „Man muss alle Handgriffe im Schlaf wissen, dann kann man sie auch im Stress abrufen“, sagt der neue Abteilungskommandant. Apropos Schlaf: Wie ist es eigentlich, wenn man mitten in der Nacht alarmiert und aus schönsten Träumen gerissen wird? „Wenn man mit Licht und Musik fährt, ist die Müdigkeit weg“, sagt Durchdenwald lachend.

Alarm im Industriegebiet

Am häufigsten und öfter als die anderen Abteilungen in der Stadt müssen die Sirnauer wegen ausgelöster Brandschutzanlagen ausrücken: Das hängt mit dem benachbarten Sirnauer Industriegebiet mit seinen zahlreichen Firmen zusammen. Hochwasser, Einbruch, Duschkabinen voller Wasserdampf, Schweißarbeiten, chemische Reaktionen hinter nicht verschlossenen Brandschutztüren, technische Defekte – es sind unterschiedlichste Ursachen, die die Alarmgeräte auslösen. Die meisten Unternehmen sind zwar direkt mit der Leitstelle in Esslingen verbunden, doch wie grundsätzlich bei allen Einsätzen eilen – nach den Berufsfeuerwehrleuten – als erste die Kräfte der nächstgelegenen Feuerwehrabteilung an den Ort des Geschehens. „Wir können bei allen Einsätzen die erste Zeit bis zum Eintreffen zusätzlicher Kräfte überbrücken. Von der Ausbildung und der Ausrüstung her sind wir dazu sehr gut in der Lage“, betont Reif.

In Eigenarbeit zum Feuerwehrhaus

Das war nicht immer so. 1945 hatten die Esslinger den Sirnauern zwar eine Löschgruppe zugestanden. „Schließlich gab es außer der Pliensaubrücke für Fahrzeuge keine Brücke über den Neckar“, weiß Sauer. Das damalige Einsatzfahrzeug sei allerdings lediglich „ein Wägele mit Pumpe“ gewesen, untergestellt im Falkenweg 8 in einem Schuppen. „Die Uniformen hingen dort noch an Nägeln, die in die Wand geschlagen waren“, erinnert sich Durchdenwald noch. Erster Kommandant war Flaschnermeister Albert Bauer. Nachdem Esslingens Gewerbegebiet in Sirnau kontinuierlich gewachsen war, war der Neubau an alter Stelle im Finkenweg schließlich eine Antwort auf die geänderten Anforderungen. Das schmucke, im Juli 1999 eingeweihte neue Domizil hatten die Feuerwehrleute in Eigenarbeit mit großem Einsatz gebaut. Von „gelebtem Bürgersinn“ hatte Oberbürgermeister Jürgen Zieger bei der symbolischen Schlüsselübergabe an den damaligen Abteilungskommandanten Herbert Tittel gesprochen. Seither verfüge man mit einem Lösch- und einem Tanklöschfahrzeug „wie alle anderen Abteilungen über eine vernünftige Ausrüstung“, lobt Sauer. Auch bei den Uniformen. Da erinnert er sich noch an andere Zeiten: „Wenn’s in Esslingen neue gab, haben wir die abgelegten bekommen.“

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