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ES-Sirnau: Nach 16 Jahren hat sich Ursula Frantz aus dem Bürgerausschuss verabschiedet

  • Uschi_Frantz
Von Melanie Braun
Quelle: Artikel vom 03.06.2019 © Eßlinger Zeitung

Ursula Frantz ist niemand, der einfach nur die Beine hochlegt. Die energische Frau packt gerne mit an und sucht nach Lösungen, wenn es Probleme gibt. 16 Jahre lang hat sie das auch im Sirnauer Bürgerausschuss getan, davon 13 Jahre als Vorsitzende. Und zwar so engagiert, dass sie jüngst die Bürgermedaille der Stadt Esslingen verliehen bekommen hat. Doch nun will die 56-Jährige erst einmal langsamer machen: Bei der Wahl zum neuen Bürgerausschuss im April hat sie nicht mehr kandidiert. Untätig wird sie aber wohl trotzdem nicht bleiben.

Schließlich hat sie die ehrenamtliche Arbeit mit Herzblut betrieben. „Das ist Politik im Schuhkarton: Man bekommt die Auswirkungen direkt mit“, sagt Frantz. Genau das gefällt ihr. Ihr großer Antrieb war der Erhalt der Lebensqualität in Sirnau – eine Aufgabe, die eigentlich nie beendet ist. Doch Ursula Frantz hat einiges dazu beigetragen, dass es im kleinsten Esslinger Stadtteil vorangeht – wenngleich sie betont, dass keinesfalls ihr allein die Lorbeeren für die Verbesserungen in Sirnau gebühren. „Ich hatte immer ganz starke Unterstützer im Bürgerausschuss“, stellt sie klar. Die Erfolge seien stets gemeinsam errungen worden. Vor allem ihre drei langjährigen Weggefährten Walter Bräuninger, Karl Langpeter und Wolfgang Sauer hätten ihr immer bedingungslos zur Seite gestanden.

Gleichwohl sei die Arbeit in dem Stadtteilgremium in den vergangenen Jahren mühsamer geworden. „Die Gesellschaft hat sich verändert: Immer mehr Menschen laufen mit einer Art Scheuklappen durch die Welt“, hat Ursula Frantz beobachtet. Sie nimmt wahr, dass zunehmend Leute auf ihren eigenen Vorteil bedacht und immer weniger bereit sind, das Eigeninteresse für das Allgemeinwohl zurückzustellen. Auch der Ton sei insgesamt rauer geworden: „Das ist oft ein Niveau, das mir nicht gefällt.“ Denn die langjährige Bürgerausschuss-Vorsitzende hält wenig von Konfrontation: „Ich will lieber vermitteln.“ Damit ist sie in den vergangenen Jahren gut gefahren: „Die Beschlüsse im Bürgerausschuss sind zu 90 Prozent einstimmig gefallen, weil wir uns meist auf einen Konsens geeinigt haben, den alle mittragen konnten.“

 Dazu gehöre aber auch, immer wieder einmal die Perspektive zu wechseln. „Man kann nicht immer nur von der Sirnauer Position aus auf ein Problem schauen, sondern muss auch versuchen, die Argumente der anderen Seite zu verstehen“, findet Ursula Frantz. Schließlich habe etwa die Stadtverwaltung auch ihre Gründe für bestimmte Entscheidungen – die durchaus nachvollziehbar sein könnten, selbst wenn sie nicht dem Interesse der Sirnauer entsprächen.

Trotz ihres langjährigen Engagements im Bürgerausschuss hat die 56-Jährige nicht alle ihre Ziele erreicht. „Mein Traum war eigentlich immer, einmal die Woche einen kleinen Markt in Sirnau zu etablieren.“ Doch das habe sich nicht verwirklichen lassen. Die mangelnde Nahversorgung ist mehr denn je ein Thema in dem Stadtteil: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Verkaufswägen, die in Sirnau Station machen, immer weiter abgenommen.

Dafür gab es bei einem anderen Thema große Fortschritte: beim Lärmschutz. Der Bau der neuen Lärmschutzwand, die Reduzierung des Tempolimits von 100 auf 80 Stundenkilometer sowie der Einbau von Flüsterasphalt auf der B 10 gehörten zu den größten Erfolgen während ihrer Zeit im Bürgerausschuss, sagt Ursula Frantz. „Die Wand ist zwar nicht schön, aber sie hat extrem viel gebracht.“ Auch dass die Ausfahrschleife auf die B 10 nach Protesten vor das Möbelhaus gelegt wurde und nicht, wie eigentlich geplant, direkt vor das Hofgut Sirnau, verbucht Frantz als großen Erfolg. Letzteres hätte eine der wenigen Freiflächen in dem Stadtteil verbaut und zudem den Blick auf das pittoreske Hofgut verwehrt.  Dennoch sei nach wie vor der viele Verkehr in dem von großen Straßen umgebenen Stadtteil ein Dauerbrenner – unter anderem wünscht man sich seit Jahren vergeblich einen Lärmschutz zur Kreisstraße 1215 hin.

Damit wird sich Ursula Frantz vorerst nicht mehr beschäftigen, zumindest nicht an vorderster Front. Erst einmal will sie mehr Zeit für sich nutzen, etwa für Sport und Kultur – ohne immer im Hinterkopf zu haben, dass ein Termin dazwischen kommen könnte. Doch langfristig wird die 56-Jährige wohl nicht untätig bleiben: „Dafür denke ich zu sehr in ehrenamtlichen Strukturen.“ Wo sie sich dann engagieren will, weiß sie noch nicht. Jetzt heißt es erst mal: Beine hochlegen.