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ES-SIRNAU: Familie Bräuninger zieht Kauf des Sirnauer Hofs in Betracht, bleibt aber auch gern Pächter - Überrascht von Verkaufsabsicht der Stadt

 

 


Hofgut


Die Stadt Esslingen denkt an den Verkauf des historischen Sirnauer Hofs. Auf dem Anwesen, nur einen Steinwurf von der B 10 entfernt, betreibt die Pächterfamilie Bräuninger eine Baumschule und einen Pflanzenmarkt. Foto: Bulgrin



Quelle: Esslinger Zeitung - 12.06.2012
Von Elisabeth Schaal

„Heerscharen von Leuten sind ungefragt durch unseren Betrieb und die Gebäude gelaufen, haben ungeniert fotografiert wie auf einem Basar.“ Diese sehr unangenehme Situation beschäftigt Margarethe und Walter Bräuninger bis heute, nachdem publik geworden war, dass die Stadt Esslingen den Sirnauer Hof verkaufen will. „Ja, diese potenziellen Interessenten wussten in dem Moment aber bestimmt nicht, dass wir mit unserer Baumschule und dem Pflanzenmarkt einen Pachtvertrag haben, der noch 27 Jahre gültig ist“, ergänzt Walter Bräuninger. Täglich mehrfach hätten Kunden angerufen und bedauernd gefragt, „ob wir schon verkauft sind und welche Baumschule wir ihnen nun empfehlen könnten“. Ausgelöst hatte dies der im Dezember bekannt gewordene Beschluss des Gemeinderats, das rund 9000 Quadratmeter große Anwesen bis spätestens 2015 zu verkaufen. Dies vor allem im Hinblick darauf, dass umfangreiche Sanierungsarbeiten anstünden. Bei der Stadt sprach man von einer Größenordnung von rund 400 000 Euro. „Wir wissen um den Sanierungsbedarf“, sagt der Pächter. Im Winter hatte er mit Fachhandwerkern aus der Region eine Begehung gemacht und Preisangebote für eine Sanierung eingeholt: „Bei einer denkmalgeschützten Anlage wie dem Sirnauer Hof lässt sich das allerdings nicht bis auf den letzten Euro genau sagen.“ Die abweichenden Zahlen, die er nicht benennen möchte, hat er der Verwaltung zukommen lassen. Wie diese auf 400 000 Euro gekommen ist, weiß er nicht.

Der dringende Handlungsbedarf sei unbestritten: „Das sieht man von außen nur nicht.“ Dass die Stadt alte gewachsene Strukturen aufgeben und ein stadtbildprägendes Anwesen verkaufen möchte, „nur weil sie gerade im Renovierungsstau steht“, verwundert Bräuninger. „Was ist, wenn die Stadt in ein paar Jahren doch Mittel hat, das einmalige Ensemble zu erhalten? Wenn das identitätsstiftende Interesse der Bürgerschaft an der Geschichte der Stadt wieder mehr Gewicht bekommt?“

Pächter reinvestiert ins Anwesen

Dass im Zug der Debatte Zahlen in Umlauf gebracht wurden über die „recht geringen Pachteinnahmen“ für die Stadt, sei von deren Seite wohl „versehentlich“ geschehen, mutmaßt Bräuninger: „Diese Zahlen haben für viel Verwirrung gesorgt.“ Demgegenüber stehe, „was unsere Familie über all die Jahre zum Aufbau, Betrieb und Erhalt der Anlage reinvestiert hat“. Das habe ja schließlich auch das Ansehen der städtischen Immobilie gefördert. Er würde sich freuen, so Bräuninger, vor dem Gemeinderat Stellung beziehen zu dürfen. Schließlich sei das Verhältnis zwischen Stadt und Pächter „seit Jahrzehnten von gegenseitigem Vertrauen, Sachlichkeit und Fairness geprägt und die geleistete Arbeit der Pächterfamilie wird von der Stadt und dem Gemeinderat anerkannt“. Gleichwohl wurde vor dem Pächter die Öffentlichkeit informiert.

Walter Bräuninger führt den Hof in dritter Generation. Sein Großvater hatte den damals 80 Hektar großen Betrieb von der Stadt gepachtet und hauptsächlich Milch und Fleisch produziert. Sein Vater intensivierte den Gemüseanbau. Die Viehhaltung wurde 1960 aufgegeben, dafür kostenintensiv auf Legehennenhaltung umgestellt, die Eier direkt vermarktet. Doch der zunehmende Flächenverbrauch für Straßen und vor allem für das Gewerbegebiet Sirnau entzogen dem Hof nach und nach die Grundlage für eine landwirtschaftliche Produktion. 1981 gründete der heutige Pächter seine Baumschule mit einer Spezialisierung auf hochwertige Pflanzen. „Es ist uns gelungen, mit der Baumschule ein neues Standbein zu bekommen“, sagt der Agraringenieur. Einen Ausgleich für den Verlust der landwirtschaftlichen Flächen habe es nicht gegeben: „Die komplette Umstrukturierung und der Erhalt der wirtschaftlichen Unabhängigkeit wurden von den Pächtern in Eigenleistung erbracht.“ Der jetzige Betrieb entspreche dem Bebauungsplan, der keine außerlandwirtschaftliche Nutzung erlaube: „Tatsache ist, dass hier keine Sternegastronomie möglich ist, wie sich das vielleicht mancher Interessent gedacht hat, ohne die Fakten zu kennen.“

Stets habe es generationsübergreifend fließende Übergänge in der Familie gegeben, die Pächter hätten ihre Investitionen langfristig planen und nachhaltig wirtschaften können. „Auch unsere Kinder bekunden Interesse an der Fortführung des Betriebs und orientieren sich beruflich in dieser Richtung“, sagt Margarethe Bräuninger. In der Familie gebe es Überlegungen für den Kauf des Anwesens, Gespräche mit dem städtischen Liegenschaftsamt laufen. Doch der Erwerb sei eine Frage der Sanierungskosten und des Preises. „Klar ist, dass die nächste Generation nicht nur ein Leben lang für Dachziegel und Steine arbeiten kann“, betonen Margarethe und Walter Bräuninger. Und: „Wir bleiben gern Pächter.“

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