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ESSLINGEN: Ingeborg Letzelter sammelt für ihr neues Buch über Sirnau auch Geschichten der Auswanderer

 

Quelle: Esslinger Zeitung - 24.05.2011
Von Elisabeth Schaal


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Ganz schön mutig: Mit seiner Frau Hannelore und den sechs Kindern zog der Sirnauer Heinz Bauer Anfang der 1960er-Jahre in die Fremde, genauer gesagt nach San Francisco in den USA. Andere Wagemutige wie Julius Langpeter zog es nach Kanada („Mit 22 stach mich der Hafer und hatte mich das Fernweh gepackt“), Ingrid Schüle nach Südafrika. Wieder andere fanden eine neue Heimat in Südamerika, Australien oder Thailand. Rund um den Globus haben Auswanderer aus dem kleinen Esslinger Stadtteil Wurzeln geschlagen, doch ihre alte Heimat nie vergessen. Und modernen Zeiten und dem Internet sei Dank lassen sich verwandtschaftliche Beziehungen intensiv pflegen. Zur Freude von Ingeborg Letzelter. Die Sirnauerin bringt nach dreijährigen Recherchen ihr zweites Buch auf den Markt. Nach „Unser Sirnau“ heißt es nun folgerichtig „Unser Sirnau 2“. Darin tauchen an die 30 Auswanderer, deren Enkel oder Urenkel auf, die selbst schildern, wie es ihnen in ihrer neuen Heimat ergangen ist, oder über die Angehörige berichten. „Von vielen Auswanderern wird gar nicht mehr geredet. Mir war es aber wichtig, dass sie nicht in Vergessenheit geraten“, sagt die energiegeladene 80-Jährige. Immer wieder setzt sie sich während des Gesprächs an den Computer und schaut das eine oder andere nach.

Neues zum Hofgut

Eigentlich, so sagt sie, habe sie ja lediglich das 1994 im Eigenverlag erschienene Buch fortsetzen wollen. Es enthält auf knapp 400 Seiten die Geschichte des urkundlich erstmals 1241 erwähnten „Sirmenowe“ und die Entstehungsgeschichte der „Erwerbslosenrandsiedlung“. Zudem kommen zahlreiche Ureinwohner mit ihren Erinnerungen zu Wort, werden Vereine und Kirchengemeinden vorgestellt. In Band zwei habe sie beschreiben wollen, was sich in den vergangenen knapp 20 Jahren in Sirnau verändert und ereignet habe. Auch sollten neu Zugezogene mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen. Doch als ihr Ansinnen publik geworden sei, hätten sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger mit spannenden Geschichten, Erlebnissen und Wissenswertem gemeldet. „Das nicht zu berücksichtigen wäre ja schade gewesen. Zumal manchem erst nach der Lektüre von ‚Unser Sirnau’ interessante Dinge eingefallen sind.“ Etwa Eberhard Moll, Jahrgang 1935, der dank des Buches eine Reise in seine Kindheit angetreten hatte und in der Fortsetzung nun erzählt, wie er 1964 für neun Jahre in die USA auswanderte, dann in die Nähe von Böblingen zog und seit 1979 im australischen Brisbane lebt. Walter Bräuninger, langjähriger Vorsitzender des Bürgerausschusses, habe sie immer wieder ermuntert, alles zu sammeln und aufzuschreiben, „weil es sonst in unserer schnelllebigen Zeit verloren geht“. Ihm, der sich für seinen Stadtteil wie kaum ein anderer eingesetzt hat, widmet Letzelter ebenso ein Kapitel wie dem von ihm bewirtschafteten Hofgut Sirnau. Während Walter Bräuningers Mutter Elisabeth auf den Hof im Wandel der Zeiten eingeht, schreibt Heidi Gassmann über dessen Vergangenheit als Dominikaner-Kloster.

„Tolle junge sirnauer“

Stolz ist Ingeborg Letzelter, ein Kind der ersten Stunde Sirnaus – der Stadtteil feiert im kommenden Jahr sein 80-jähriges Bestehen – auf neue Erkenntnisse zum Hofgut. Sie fließen ins Buch ein. „Heinz Edelmann aus Deizisau hat mich da ungeheuer unterstützt. Ihn interessiert die Ahnenforschung und in alten Kirchenbüchern hat er manches gefunden.“ Ein großes Anliegen ist es der Herausgeberin aber auch, nachfolgenden generationen von den „ganz tollen jungen leuten von heute“ zu berichten. So kommen mit der Volleyballspielerin Lena Gschwendtner, dem Eishockeyspieler Achim Moosberger, dem Handbiker Markolf Neuske, dem Fußballer Manuel Hartmann und den Karatekids der SG Eintracht Sirnau ungemein erfolgreiche und überregional bekannte sportliche Talente aus dem kleinen Stadtteil. Dokumentiert wird im neuen Buch zudem das Angebot der Vereine.

Aufmachung und Papier von „Unser Sirnau 2“ wird dem Vorgänger gleichen. Ob diesmal die 360 Seiten für all das Gesammelte reichen, weiß Ingeborg Letzelter noch nicht. Auch bei der Auflage schwankt sie noch: „Ob ich das wieder mit 500 Stück mache wie beim ersten Mal, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich werden es weniger Bücher. Denn 850 Einwohner sind ja nicht 850 Käufer.“ Dass „Unser Sirnau 2“ aber voller Spannung erwartet wird, zeigen ihr viele Anrufe, Gespräche und EMails: „Manche wollten es als Weihnachts- oder als Ostergeschenk.“ Sie selbst hofft, dass ihr neues Werk im Herbst erscheint: „Wenn’s früher klappt, ist’s schön.“ Und wer will, darf dann selbst letzte Hand an sein Exemplar legen und es zu einem Unikat machen. Jedes Buch enthält nämlich eine freie Seite – Platz für ganz persönliche Erinnerungen an „mein Sirnau“.

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