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Esslingen: Carola Schilling zaubert in ihrer Glaswerkstatt in Sirnau Schmuckstücke sowie Dekoratives für Haus und Garten

Von Dagmar Weinberg
Quelle: Artikel vom 15.06.2015 © Eßlinger Zeitung

Carola Schilling

In allen Farben des Regenbogens leuchten die dekorativen Glasobjekte,
die Carola Schilling in ihrem Atelier in Sirnau kreiert. Fotos: Bulgrin

Sonnengelb und Feuerrot, Azurblau und Smaragdgrün, Malve, Krapprosa oder Ocker: Carola Schilling liebt Farben. Und sie liebt Überraschungen. Seit rund 20 Jahren zaubert die Esslingerin in ihrer Glaswerkstatt Schmuck sowie Dekoratives für Haus und Garten. Auch wenn sie im Laufe der Jahre viel Erfahrung mit dem transparenten Werkstoff gesammelt hat, „hat die Arbeit nichts von ihrem Reiz verloren, weil ich immer wieder Neuland betrete“. So ertappt sie sich nach all den Jahren dabei, wie sie in ihrer kleinen Werkstatt in Sirnau ungeduldig den Schmelzofen umkreist. „Ich kann es oft gar nicht erwarten, bis er endlich abgekühlt ist und ich ihn öffnen kann“, gesteht die Künstlerin, die an der Kunstakademie in Nürtingen Keramik studiert und anschließend in der eigenen Werkstatt mit Ton gearbeitet hat.


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Glas statt Ton

Dass sie eines Tages beschlossen hat, Töpferscheibe und Brennofen zu verkaufen und künftig mit Glas zu arbeiten, hat mit Carola Schillings Liebe zur Farbe zu tun. „Bei der Keramik hat mir einfach die Leuchtkraft der Farben gefehlt, damals zumindest. Heute gibt es bei den Glasuren auch eine große Vielfalt.“
Die kunstvollen Dekoobjekte entstehen durch das sogenannte Fusing, also durchs Verschmelzen verschiedener weißer und farbiger Glasplatten, -stücke und -stäbe miteinander. Anders als beim Glasblasen oder Glasguss, bei dem zähflüssiges Glas aus einer Schmelze genommen und noch heiß verarbeitet wird, arbeitet man beim Fusing am kalten Glas. „Man kann das Glas vor dem Schmelzen auch noch mit Glasmalfarbe bemalen oder Farbpulver aus Fensterglas aufstreuen. Und man kann temperaturbeständige Materialien wie zum Beispiel Metall mit verarbeiten“, erzählt die Künstlerin, die unter anderem wunderschöne Katzenköpfe als Stecker fürs Blumenbeet herstellt.
Dafür wird der Umriss des Katzenkopfes ins Glas geritzt, dann das Glas gebrochen. Anschließend arrangiert sie die Öhrchen, Augen und Nase sowie die Schnurrhaare, für die ganz feine Glasstäbe verwendet werden, die sich mit den Fingern brechen lassen. Der Großteil des Materials, das im Sirnauer Amselweg verarbeitet wird, kommt aus den USA. „Dort gibt es eine große Auswahl und sehr gute Qualität“, erzählt sie. „Allerdings ist das Rohmaterial nicht billig.“ Wichtig ist, dass sich die verschiedenen Glassorten miteinander vertragen. „Sonst gibt es vor allem beim Abkühlen Probleme“, hat die Künstlerin erlebt, die in ihrem Atelier auch Kurse anbietet.
Apropos Abkühlen. Auch wenn es Carola Schilling oft noch so reizt: „Man muss die Kühlzeiten genau beachten, sonst springt das Glas irgendwann.“ Sitzen Augen, Ohren, Nase und Schnurrhaare am richtigen Platz , wird das Katzenköpfchen auf einer Platte in den Schmelzofen gelegt. Der wird je nach Dicke und Zusammensetzung der Gläser auf eine Temperatur zwischen 780 und maximal 830 Grad hochgefahren. „Das Glas muss nicht richtig flüssig werden. Es reicht, wenn die Schichten ineinanderfließen und sich somit dauerhaft miteinander verbinden.“ Mit der Fusing- Methode arbeiten nicht nur die Glaskünstler heute. Archäologen haben herausgefunden, dass das Schmelzverfahren in seinen Grundzügen bereits vor mindestens 2200 Jahren angewandt wurde.

"Ich liebe Überraschungen"

Die kreative Sirnauerin schiebt aber nicht nur Flachware wie Blumenstecker, Fensterbilder, Anhänger für Ketten und Ohrringe sowie Spiegelrahmen und vieles mehr in den Ofen. In ihrem Atelier beherbergt sie auch Dreidimensionales. Für Schüsseln und Schalen wird zunächst ebenfalls ein flacher Glaskörper geschmolzen. Nach dem Erkalten kommt der auf eine Trägerform aus Keramik oder Metall. Bei rund 600 Grad im Schmelzofen senkt er sich dann langsam in oder über die Form ab. „Da sich Glas ausdehnt, wenn es warm wird, und beim Abkühlen wieder zusammenzieht, muss die Form allerdings etwas größer als die Glasplatte sein“, erläutert Carola Schilling, in deren Werkstatt auch immer wieder Kunden hereinschneien, „die sich im Urlaub zum Beispiel eine Schüssel gekauft haben und noch weitere passende Teile dazu haben wollen“.
Dass sie bei derartigen Aufträgen mitunter ein bisschen herumprobieren muss, ist für Carola Schilling nicht Last, sondern Lust. So beschäftigt sie sich im Augenblick mit Engeln, die zur Weihnachtszeit als Fensterbild eine gute Figur machen. Ein paar Prototypen mit hübsch geschwungenen Flügeln haben den Schmelzofen schon verlassen. „Sie sind gut rausgekommen, aber das Thema ist noch lange nicht erschöpft“, weiß sie schon heute.
Doch probiert sie nicht nur gerne neue Formen, sondern auch neues Material aus. „Vor allem bei schimmerndem Glas muss man viel herumexperimentieren, weil die Farben nach dem Schmelzen oft ganz anders aus dem Ofen kommen“, berichtet die Kunsthandwerkerin. „Ich liebe aber genau diese Überraschungen. Und der Augenblick, wenn ich den Ofen öffne, ist immer etwas Besonderes.“

www.glaskunst-schilling.de


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